Fachlich geprüft und freigegeben von ITI-Mitglied Dr. Victor Astolfi
Verschraubte Implantate haben eine bekannte Schwachstelle: Die Schraube kann sich lockern, und im Kanal, den sie hinterlässt, sammeln sich Bakterien. Zahnimplantate ohne Schrauben wurden entwickelt, um genau dieses Problem zu lösen. Eine Variante des schraubenlosen Implantats ist allerdings problematischer als jedes klassische System: die zementierte Krone. Sie verursacht im Zeitalter der CAD/CAM-Technologie Komplikationen, die niemand mehr braucht.
In diesem Beitrag finden Sie alles Wesentliche zu schraubenlosen Implantaten: die drei Hauptvarianten, die Kosten und wie Sie Schweizer Qualitätsmarken zweifelsfrei erkennen.
Das Wichtigste auf einen Blick

Ein schraubenloses Zahnimplantat (konometrisch oder als Friction-Fit-Modell) steht für die dritte Generation der Implantologie. Es wurde entwickelt, um drei wiederkehrende Schwachstellen klassischer Implantate zu beseitigen: die Lockerung der Schraube, die Mikroundichtigkeit und den sichtbaren Schraubenkopf. Dank fünfachsiger CAD/CAM-Fräsung sitzen Friction-Fit-Verbindungen heute präziser als je zuvor.
Wichtig: Ein Implantat, das die Schraube durch Zement ersetzt, ist zwar formal schraubenlos, verursacht aber gut dokumentierte Probleme. Wenn bei One Life Dental von „Zahnimplantaten ohne Schrauben“ die Rede ist, meinen wir eine konometrische Friction-Fit-Verbindung, ganz ohne Schraube und ohne Zement.
Bei schraubenlosen Implantatsystemen unterscheidet man zwei Familien: das Locking-Taper-System, in den 1980er-Jahren von Bicon entwickelt, und das deutlich jüngere konometrische Kronensystem.
Locking-Taper | Konometrisch | |
Lage des Konus | Implantat ↔ Abutment | Abutment ↔ Kronenkappe |
Kompatibel mit | ausschließlich eigenen Implantaten | Ankylos, Astra Tech, Xive |
Nachrüstbar auf vorhandene Implantate | nein | ja |
Zementeinsatz | keiner | extraoral, im Labor |
Wartung | Spezialinstrument | Fixier- und Löse-Tool des Herstellers |

Schraubenlose Implantate ersetzen zwei Schwachstellen (die Halteschraube und den Zement) durch eine einzige, dicht verschlossene Verbindung. Genau deshalb liegt ihre Komplikationsrate auf lange Sicht unter der aller anderen Systeme.
Verschraubt | Zementiert | Schraubenlos (Friction-Fit) | |
Hauptrisiko | Lockerung der Schraube (bei Einzelzahnversorgungen im Zeitverlauf 5–12 %) | Zementüberschüsse unterhalb des Zahnfleischrands | dichte Konusverbindung, weder Schraube noch Zement |
Weg für Bakterien | Mikroundichtigkeit über den Schraubenkanal | Zementfuge liegt unter dem Zahnfleisch | hermetisch dicht, keine Eintrittsstelle |
Ästhetik | sichtbares Schraubenloch in der Krone | kein Loch, aber die Zementfuge kann durchscheinen | vollständig geschlossene Kronenoberfläche |
Entfernbarkeit | Schraube kann festsitzen oder ausreißen | ohne Beschädigung der Krone kaum lösbar | mit Spezialinstrument sicher lösbar |
(Quelle: Stanbouly et al., „Design and the future of locking-taper screwless and cementless dental implants„, Frontiers of Oral and Maxillofacial Medicine, 2024.)
In der Praxis machen mehr Implantate an der Verbindung Ärger als im Knochen. Abutmentschrauben lockern sich, brechen gelegentlich – und jedes Nachziehen bedeutet einen weiteren Termin. Friction-Fit-Systeme schalten diese Risiken vollständig aus. Deshalb kommen sie besonders in diesen Situationen zum Einsatz:

Das Geheimnis der Friction-Fit-Implantate liegt in der konischen Geometrie. Statt Schraube oder Zement hält ein Konussystem die Krone an Ort und Stelle. Abutment und innere Kronenkappe werden im CAD/CAM-Verfahren mit nanometrischer Präzision gefräst, sodass beide Teile unter leichtem Druck regelrecht miteinander verschmelzen.
Der Eingriff läuft in fünf Schritten ab:
Ein schraubenloses Implantat kostet im Mittel etwa 2.150 € (nur der Implantatkörper), international bewegen sich die Preise je nach Einheit zwischen 600 € und 5.200 €. Das sind rund 20 % mehr als bei verschraubten Implantaten, der Aufpreis geht auf die zusätzliche Laborpräzision zurück.
Unter dem Strich kann die Behandlung trotzdem günstiger ausfallen als eine konventionelle Versorgung, weil Friction-Fit-Konstruktionen einen Knochenaufbau häufig erübrigen.
Land | Schraubenlos (Friction-Fit) | Verfügbarkeit |
🇩🇪 Deutschland | 2.600 – 5.200 € | flächendeckend verfügbar |
🇦🇹 Österreich | 2.200 – 4.500 € | begrenzt, ausgewählte Praxen |
🇨🇭 Schweiz | 3.000 – 6.000 € | begrenzt |
🇹🇷 Türkei | 600 – 1.200 € | selten |
🇨🇿 Tschechien | 1.000 – 2.400 € | in grenznahen Kliniken verfügbar |
🇭🇺 Ungarn | 900 – 1.650 € | selten |
🇵🇱 Polen | 800 – 1.500 € | selten |
🇪🇸 Spanien | 1.050 – 1.750 € | begrenzt |
Die Angaben beziehen sich auf eine Einzelzahnversorgung (Implantat, Abutment und Krone) und stützen sich auf Zahlen nationaler Zahnärztekammern, Versicherer-Ratgeber und Marktberichte für 2026. Es handelt sich um belastbare Schätzwerte aus vergleichenden Marktanalysen, nicht um eine offizielle Gebührenordnung.

Weil konometrische Systeme auf Reibung im Mikrometerbereich angewiesen sind, führen Nachbauteile schnell zum Misserfolg. Bei One Life Dental erhält jede schraubenlose Komponente Ihrer Versorgung die zugehörigen REF- (Referenz-) und LOT- (Chargen-) Nummern. Mit diesen Codes lässt sich die Herkunft von Titan und Zirkon lückenlos bis zum Hersteller zurückverfolgen – etwa zu Straumann oder Nobel Biocare.

Die Abbildung oben zeigt schraubenlose Zirkonkronen, die über einen Friction-Fit-Konus eingesetzt wurden. Die Kronen bestehen zu 100 % aus keramischem Zirkon, wodurch sich die Versorgung in Farbe und Lichtdurchlässigkeit nahtlos in die natürlichen Zähne einfügt. Achten Sie darauf, wie symmetrisch der Zahnfleischsaum jede Krone umschließt – dieses Maß an Präzision ermöglicht erst die CAD/CAM-Technologie.
Der Implantatkörper aus Titan oder Zirkon kann ein Leben lang halten; die Krone muss in der Regel nach 10 bis 15 Jahren erneuert werden. Entscheidend ist dabei weniger die Technik selbst als vielmehr die Planung des Falls und die Pflege durch die Patientin oder den Patienten.
Schraubenlose Zahnimplantate bringen für Behandelnde wie für Patientinnen und Patienten spürbare Vorteile – sie lassen sich zum Beispiel leichter reinigen und unkomplizierter austauschen. Unter dem Strich bedeuten sie: weniger Risiken, bessere Ästhetik und einfachere Pflege als klassische verschraubte Lösungen.
Die wichtigsten Pluspunkte im Überblick:
Die meisten Menschen, denen ein oder mehrere Zähne fehlen, kommen für den Eingriff infrage. Gute Voraussetzungen für konometrische Implantate bringen Sie mit, wenn Folgendes zutrifft:
Schraubenlose Implantate beseitigen die typischen Schwachstellen klassischer Systeme, bringen aber eigene mit. Kein System ist völlig risikofrei, und Komplikationen gehören zur Implantologie dazu. Entscheidend sind dabei fast immer die Ausführung – Laborpräzision, Fallauswahl und Erfahrung der Behandelnden – sowie die Nachsorge, nicht das System an sich.
Der Presssitz, der die Schraubenlockerung beseitigt, nimmt zugleich den Komfort der Schraube: Es gibt kein Bauteil, das man einfach lösen könnte. Kein Implantatsystem kommt ohne Kompromisse aus – zwei davon fallen im Alltag ins Gewicht.
Bei Zahnimplantaten ohne Schrauben entsteht der Halt durch Reibung und nicht durch einen mechanischen Anschlag. Konometrische Systeme können deshalb im Bereich der Kronenkappe allmählich an Haftkraft verlieren. Die Hersteller schreiben daher regelmäßige Kontrollen vor, statt die Versorgung als endgültig zu betrachten.
Schraubenlose Kronen lassen sich nur mit den systemeigenen Instrumenten des Herstellers austauschen. Systeme der großen Hersteller werden deutlich breiter unterstützt als proprietäre Konstruktionen – achten Sie deshalb auf verbreitete Standardsysteme. Lassen Sie sich von Ihrer Praxis grundsätzlich die REF- und LOT-Nummern aller eingesetzten Komponenten aushändigen, damit jede spätere Behandlerin und jeder spätere Behandler genau weiß, womit sie oder er es zu tun hat.
Die Forschung bewegt sich 2026 in drei Richtungen. Alle drei sind allerdings noch Zukunftstechnologien und keine etablierten, breit verfügbaren Optionen:
Nein. Obwohl sie keine Schrauben verwenden, nutzt die konische Geometrie das Prinzip der Kaltverschweißung oder des Reibungsschlusses. Diese Verbindung ist so stabil, dass der Zahnarzt spezialisierte klinische Werkzeuge benötigt, um die Krone zu entfernen. Sie ist darauf ausgelegt, den höchsten menschlichen Kaukräften standzuhalten, ohne sich jemals zu lockern.
Absolut. Tatsächlich ist die schraubenlose Technologie der Goldstandard für Komplettsanierungen (wie All-on-4 oder All-on-6). Sie eliminiert die multiplen Schraublöcher, die eine komplette Brücke schwächen können, und bietet ein weitaus stärkeres, hygienischeres und ästhetischeres Ergebnis.
Die Eliminierung von dentalem Kleber (Zement). In der traditionellen Zahnmedizin können mikroskopische Mengen an überschüssigem Zement unter das Zahnfleisch gelangen und eine chronische Infektion (Periimplantitis) auslösen. Da sie zu 100 % zementfrei sind, stellen schraubenlose Implantate die zahnfleischfreundlichste Option der modernen Zahnheilkunde dar.
Dr. Tarkan verwendet ein spezielles „Impuls“-Werkzeug, das den Reibungsschluss der konometrischen Kappe sicher löst. Dies ermöglicht eine einfache Entfernung bei jährlichen Wartungsbesuchen, ohne die Krone oder das Implantat zu beschädigen – ein großer Vorteil gegenüber verschraubten Systemen.
Die chirurgische Platzierung des Implantats ist identisch mit der traditionellen Methode und wird unter lokaler Anästhesie durchgeführt, um völlige Schmerzfreiheit zu garantieren. Die Restaurationsphase ist oft sogar angenehmer, da kein Druck durch das Festziehen von Schrauben im Kieferknochen entsteht.
Wir nutzen primär Systeme von Straumann und Medentika, die Pioniere in der konometrischen Technologie sind. Diese Marken bieten die höchste „Konus-Präzision“, die für einen sicheren Friction-Fit unerlässlich ist.
Weil es eine massive Investition in die digitale Infrastruktur erfordert. Man kann schraubenlose Kronen nicht mit traditionellen Labormethoden herstellen; man benötigt 5-Achsen CAD/CAM-Maschinen und einen Chirurgen, der speziell in konometrischen Protokollen geschult ist.
Die Pflege ist identisch mit natürlichen Zähnen. Sie sollten zweimal täglich bürsten und eine Munddusche oder Interdentalbürsten verwenden. Da es keine Schraublöcher gibt, in denen sich Bakterien sammeln können, bleiben diese Implantate oft sauberer als herkömmliche.
Nein – und genau das sorgt bei vielen Patienten für Verwirrung. Beide verzichten auf die Schraube, doch zementierte Kronen werden mit Klebstoff befestigt, der Bakterien unter dem Zahnfleischsaum einschließen kann. Echte schraubenlose (konometrische) Implantate nutzen stattdessen einen Friction-Fit-Konus – weder Schraube noch Zement, kein Klebstoffrand.
Ja – sie sind eine gut erforschte, zuverlässige Option. Eine 10-Jahres-Studie mit fast 1.500 Locking-Taper-Implantaten verzeichnete eine Überlebensrate von 98,7 %, vergleichbar mit den besten verschraubten Systemen, bei gleichzeitigem Wegfall von Schraubenlockerung und Schraubenzugangsloch.
Der Heilungsverlauf entspricht dem jedes anderen Implantats: drei bis sechs Monate bis zur vollständigen Osseointegration, bevor die endgültige Krone gesetzt wird. Die Wahl der schraubenlosen Technologie beschleunigt oder verlangsamt diesen biologischen Heilungsprozess nicht.
Ja, allerdings nicht von Hand. Der Zahnarzt löst die Friction-Fit-Verbindung mit einem speziellen Werkzeug sicher – nützlich für Wartung, Reinigung oder Reparaturen –, ohne die Krone oder das darunterliegende Implantat zu beschädigen.
Absolut – das ist sogar der häufigste Anwendungsfall. Ein Implantat, eine Friction-Fit-Krone, kein sichtbares Zugangsloch – genau deshalb ist diese Lösung bei einem einzelnen Frontzahn so beliebt.
Häufig ja. Ohne Schraubenzugangsloch, das gefüllt werden müsste, bildet die Krone eine einzige, durchgehende Oberfläche – es gibt also kein Füllmaterial, das sich mit der Zeit verfärben könnte, was bei verschraubten Frontzähnen ein häufiger Verräter ist.
Sie beseitigen einen bestimmten Infektionsweg – das Eindringen von Bakterien über den Schraubenkanal –, was zu ihrer starken komplikationsfreien Überlebensrate beiträgt. Die langfristige Gesundheit hängt jedoch weiterhin von der täglichen Mundhygiene und regelmäßigen Kontrollterminen ab.
Grundsätzlich ja. Die geschlossene, lochfreie Kronenoberfläche ist besonders dort wertvoll, wo Ästhetik am wichtigsten ist – weshalb sie bei sichtbaren Zähnen wie den oberen Schneidezähnen häufig die bevorzugte Wahl ist.
Sie sind dafür ausgelegt, normale Kaukräfte zuverlässig aufzunehmen, besonders in der Titanvariante bei Seitenzähnen. Sie sind nicht grundsätzlich „stärker“ als verschraubte Systeme – der eigentliche Vorteil liegt darin, dass die Schraube als mechanische Schwachstelle entfällt.
Viele Patienten empfinden das so. Ohne Schraubenzugangskanal, in dem sich Speisereste ansammeln könnten, gibt es eine Stelle weniger, an der sich Plaque bilden kann – Zähneputzen, Zahnseide und regelmäßige Kontrollen bleiben dennoch genauso wichtig wie zuvor.
Nicht wirklich – der chirurgische Eingriff und die Einheilphase sind identisch mit jedem anderen Implantat. Zeit gespart wird beim finalen Termin: Die Krone wird mit leichtem Druck eingesetzt, ganz ohne den Schritt des Schraubenfestziehens.
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