Im Jahr 2026 können menschliche Zähne im Erwachsenenalter nicht von selbst nachwachsen. Geht ein bleibender Zahn verloren, hat der Körper keine Möglichkeit, ihn zu ersetzen. Doch diese Antwort könnte sich bald ändern. Forscher in Japan haben die weltweit ersten klinischen Humanstudien mit einem Wirkstoff gestartet, der genau das bewirken soll – das Nachwachsen eines dritten Gebisses. Das angestrebte Markteinführungsdatum ist 2030.
Dieser Artikel erklärt, was die Wissenschaft tatsächlich sagt, wie weit die Zahnregeneration wirklich entfernt ist – und welche bewährten, wirksamen Lösungen bei Zahnverlust heute zur Verfügung stehen.
Können bleibende Zähne von selbst nachwachsen?

Nein – bleibende Zähne wachsen nicht von allein nach. Der Mensch ist ein sogenannter Diphyodont, was bedeutet, dass im Laufe eines Lebens genau zwei Zahngarnituren gebildet werden: die 20 Milchzähne und die 32 bleibenden Zähne.
Geht ein bleibender Zahn verloren – durch Karies, Trauma, Parodontitis oder eine Extraktion – wird er durch nichts ersetzt.
Warum wachsen beim Menschen nur zwei Zahngarnituren?
Im Gegensatz zu Haien, die ihr Leben lang kontinuierlich neue Zähne bilden, hat der Mensch sich als Diphyodont entwickelt und ersetzt seine Zähne nur ein einziges Mal. Im Laufe der Evolution wurde die Nahrung vielfältiger, und das Kochen reduzierte die Notwendigkeit extremer Beißkräfte – der evolutionäre Druck, den aufwendigen Mechanismus der Zahnregeneration aufrechtzuerhalten, ließ schlicht nach.
Die entscheidende Rolle in diesem Zusammenhang spielt ein Gen – beziehungsweise ein Gen-Suppressor – namens USAG-1 (Uterine Sensitisation Associated Gene-1). Dieses Protein hemmt die Zahnentwicklung, sobald das zweite Gebiss vollständig ausgebildet ist.
Können Zähne regeneriert werden? Der Forschungsstand 2026
Ja – aber noch nicht beim Menschen, und nicht so, wie es die meisten Schlagzeilen suggerieren.
Die Gene, die einen dritten Zahndurchbruch theoretisch auslösen könnten, sind zwar in unserer DNA vorhanden, liegen nach der vollständigen Entwicklung des bleibenden Gebisses jedoch dauerhaft inaktiv. Genau diese Gene wieder zu aktivieren – das ist das Ziel modernster Dentalforschung.
Die Wissenschaft der Zahnregeneration schreitet rasant voran und ist zweifellos aufregend. Es ist jedoch wichtig, zwischen dem, was in Tiermodellen bereits bewiesen wurde, und dem, was heute tatsächlich für Patienten verfügbar ist, klar zu unterscheiden.
Im Jahr 2026 werden 3 vielversprechende Forschungsansätze verfolgt:
1. Japans Medikament zur Zahnregeneration: USAG-1

Die fortschrittlichsten Untersuchungen kommen aus Japan. Klinische Humanstudien begannen offiziell im Juli 2024 unter der Leitung von Toregem BioPharma und Dr. Katsu Takahashi am Kyoto University Hospital.
Der Wirkstoff heißt TRG-035. Er wirkt, indem er das USAG-1-Protein blockiert – den biologischen Schalter, der das Nachwachsen von Zähnen bei Erwachsenen unterdrückt. Durch die Neutralisierung von USAG-1 mithilfe eines Antikörpers wollen die Forscher das Wachstum eines dritten natürlichen Gebisses auslösen.
Erfolge im Tierversuch
Die Ergebnisse bei Tieren waren beeindruckend. Durch die Blockierung dieses Proteins gelang es den Forschern, bei Mäusen und Frettchen Zähne nachwachsen zu lassen – mit publizierten Bildern, die den erfolgreichen Zahnwuchs dokumentieren.
Laufende Humanstudien (2026)
Die erste Studienphase umfasst 30 gesunde erwachsene Männer im Alter von 30 bis 64 Jahren, von denen jeder mindestens einen fehlenden Zahn hat. Ziel ist es, die Verträglichkeit des Wirkstoffs zu überprüfen und die geeignete Dosierung zu bestimmen. Es handelt sich noch nicht um einen Test, ob der Wirkstoff beim Menschen tatsächlich Zähne nachwachsen lässt – das ist Gegenstand späterer Phasen.
Wachsen Backenzähne nach? TRG-035 für das Seitenzahngebiet
Backenzähne fallen aus und wachsen bislang nicht nach – noch nicht. Die japanischen TRG-035-Studien konzentrieren sich jedoch gezielt auf Molaren und sollen laut Toregem BioPharma bis 2030 zur Marktreife gelangen. Die erste Phase umfasst 30 gesunde erwachsene Männer zwischen 30 und 64 Jahren, denen mindestens ein Molar fehlt.
Molarenverlust ist besonders häufig – bedingt durch Karies, Parodontitis und altersbedingte Abnutzung – und verursacht im Laufe der Zeit den stärksten Knochenschwund. Das erklärt, warum die Lösung des Molar-Problems für das Forschungsteam unter Dr. Katsu Takahashi oberste Priorität hat.
2. Stammzellen und im Labor gezüchtete Zähne: Wie weit sind wir?

Neben TRG-035 werden zwei weitere Forschungswege verfolgt – langsamer, aber mit erheblichem langfristigen Potenzial.
Dentale Stammzelltherapie steht seit über zwei Jahrzehnten im Fokus der Wissenschaft. Im April 2025 züchteten Forscher am King’s College London erstmals menschliche Zähne im Labor – ein möglicher Durchbruch mit Blick auf Alternativen zu Zahnimplantaten und Füllungen. Das Team um Ana Angelova Volponi berichtete von der Erzeugung früher zahnähnlicher Strukturen mithilfe eines Hydrogel-Gerüsts, das die Wechselwirkungen zwischen odontogenen Zellen unterstützt.
Zeitgleich identifizierten Forscher der Science Tokyo zwei separate Stammzell-Linien, die für die Bildung von Zahnwurzeln und dem Alveolarknochen – also dem Knochen, der die Zähne im Kiefer verankert – verantwortlich sind. Die Ergebnisse wurden im Juli 2025 in den Nature Communications veröffentlicht.
Die zentrale Herausforderung bei Stammzellen bleibt die Gewebeverträglichkeit sowie die Tatsache, dass menschliches und tierisches Dentin zwar ähnlich, aber nicht identisch sind – tierische Ergebnisse lassen sich daher noch nicht direkt auf menschliche Patienten übertragen.
Zahnregeneration 2026: Der aktuelle Forschungsstand
Ansatz | Federführende Forscher | Aktueller Stand | Realistischer Marktzugang |
USAG-1-Antikörper (TRG-035) | Dr. Katsu Takahashi, Toregem BioPharma (Japan) | Phase-I-Humanstudien – Okt. 2024 | ~2030 (bei Studienfortschritt) |
Dentale Stammzelltherapie | King’s College London, Science Tokyo, Columbia University | Präklinisch / frühes Laborstadium | 2030–2040+ |
Biotechnologisch gezüchtete Zähne | King’s College London (Volponi et al.) | Zahnähnliche Strukturen im Labor 2025 erzeugt | 2035–2040+ |
Laser-aktivierte Stammzellregeneration | Harvard University | Nur Tiermodelle | Unbekannt / langfristig |
Können Zähne bis 2030 nachwachsen?
Möglicherweise – aber nur für eine eng begrenzte Patientengruppe, unter speziellen klinischen Bedingungen, und keineswegs als universelle Behandlung.
Sollten die klinischen Studien weiterhin positive Ergebnisse liefern, rechnet Toregem BioPharma mit einer kommerziellen Verfügbarkeit bis 2030. Das ist eine optimistische Schätzung des Unternehmens, das die Studien selbst durchführt. Unabhängige Experten sind deutlich zurückhaltender.
Was der Zeitplan bis 2030 in der Praxis bedeutet:
- Phase I (derzeit laufend) testet ausschließlich die Verträglichkeit, nicht die Wirksamkeit. Sie läuft bis 2026.
- Phase II wird die Wirksamkeit bei Kindern mit angeborenem Zahnmangel (Zahnagenese) testen – nicht bei Erwachsenen mit erworbenem Zahnverlust.
- Phase III mit großangelegten Studien ist danach geplant – und erst nach deren Abschluss kann eine Zulassungsbehörde eine Genehmigung in Betracht ziehen.
- Selbst wenn in Japan bis 2030 eine Zulassung erteilt würde, wären in Deutschland, Österreich und der Schweiz separate Prüfverfahren der jeweils zuständigen Behörden erforderlich – EMA und BfArM (Deutschland), AGES (Österreich) sowie Swissmedic (Schweiz) – und würden weitere Jahre in Anspruch nehmen.
Was Zahnregeneration ersetzen wird – und was nicht
Selbst wenn Zahnregeneration verfügbar wird, ist sie voraussichtlich keine universelle Lösung. Mehrere biologische Einschränkungen werden bestehen bleiben:
- Knochenschwund – Ein Zahn, der in einem abgebauten Kieferknochen nachwächst, hat möglicherweise nicht die nötige strukturelle Basis, um ohne vorherigen Knochenaufbau korrekt zu funktionieren.
- Positionierung – Ein regenerierter Zahn wächst dort, wo ein ruhender Zahnkeim vorhanden ist – nicht zwingend an der Stelle des verlorenen Zahns.
- Wachstumsdauer – Die natürliche Zahnentwicklung dauert Monate bis Jahre; ein regenerierter Zahn würde ähnliche Zeiträume benötigen.
- Kosten und Verfügbarkeit – Ein neuartiger Biologika-Wirkstoff wird bei Markteinführung nicht günstig sein, und der Zugang wird zunächst auf spezialisierte Kliniken beschränkt bleiben.
Hat ein bleibender Zahn beim Erwachsenen je nachgewachsen? Seltene Fälle und ihre Bedeutung
In der normalen menschlichen Biologie: Nein – ein verlorener bleibender Zahn ist noch nie spontan nachgewachsen. Es gibt jedoch seltene, dokumentierte Fälle, die einen faszinierenden biologischen Hinweis darauf liefern, wozu der menschliche Körper theoretisch in der Lage sein könnte.
Eine kleine Anzahl von Menschen weltweit wird mit einer Erkrankung namens Hyperdontie geboren – der Entwicklung von überzähligen Zähnen jenseits der regulären 32. In manchen Fällen brechen diese überzähligen Zähne im Erwachsenenalter durch. Das ist kein Nachwachsen im eigentlichen Sinne, bestätigt aber eine wichtige Tatsache: Der genetische Mechanismus zur Bildung zusätzlicher Zähne ist im menschlichen Genom vorhanden.
Zudem gibt es vereinzelte Fallberichte über sogenannte tertiäre Zähne – einen dritten Zahn, der an einer Stelle durchbricht, an der zuvor ein Zahn verloren gegangen war. Diese Fälle sind jedoch äußerst selten, weitgehend ungeklärt und wurden bisher nie zuverlässig reproduziert.
Was diese Fälle für die Forschung bedeuten, ist dennoch erheblich. Sie gehören zu den Gründen, warum das Team von Dr. Takahashi den USAG-1-Weg für einen vielversprechenden Ansatz hält.
Was ist die beste Lösung bei fehlenden Zähnen – heute?

Die Antwort lautet Zahnimplantate – und zwar mit großem Abstand. Im Jahr 2026 sind Zahnimplantate die einzige Behandlung in der modernen Zahnmedizin, die sowohl die sichtbare Krone als auch die Zahnwurzel ersetzt, den Kieferknochen erhält und die volle Kaufunktion wiederherstellt.
Sie wurden im Laufe von mehr als 50 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und weisen bei gesunden Patienten eine dokumentierte Langzeit-Erfolgsrate von 95–98 % auf.
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Häufig gestellte Fragen
Können Zähne nach einer Extraktion nachwachsen?
Nein. Einmal entfernte bleibende Zähne können nicht mehr nachwachsen. Der menschliche Körper hat keinen Mechanismus, einen verlorenen Erwachsenenzahn zu ersetzen. Zahnimplantate sind derzeit die einzige Lösung, die sowohl Wurzel als auch Krone vollständig nachbildet.
Wachsen Backenzähne bei Erwachsenen nach?
Nein. Bleibende Backenzähne sind dauerhaft – geht einer verloren, wächst er nicht nach. Japans TRG-035-Studie zielt zwar speziell auf Molarenverlust ab, befindet sich jedoch noch im experimentellen Stadium und ist Jahre von der Verfügbarkeit entfernt.
Was ist USAG-1?
USAG-1 ist das Protein, das Erwachsene biologisch daran hindert, ein drittes Gebiss zu entwickeln. Japans Wirkstoff TRG-035 wirkt, indem er dieses Protein blockiert und dadurch ruhende Zahnkeime reaktiviert. Er ist das zentrale Ziel der aktuellen Zahnregenrationsforschung.
Wie lange, bis ein Medikament zur Zahnregeneration verfügbar ist?
Realistisch betrachtet frühestens 2030 – und zunächst nur in Japan, nur für angeborene Zahnagenese. Für Erwachsene mit erworbenem Zahnverlust ist Mitte der 2030er-Jahre die glaubwürdigste Schätzung, abhängig vom Verlauf der mehrphasigen Studien und den jeweiligen nationalen Zulassungsverfahren.
Wird es möglich sein, Zähne nachwachsen zu lassen?
Ja, höchstwahrscheinlich – aber noch nicht. Japans TRG-035-Studie ist der fortschrittlichste Versuch. Die kommerzielle Verfügbarkeit ist für 2030 angepeilt, zunächst für angeborene Fälle. Eine breitere Anwendung bei Erwachsenen ist realistisch erst für Mitte der 2030er-Jahre zu erwarten.
Was baut Zähne auf natürliche Weise auf?
Nichts kann einen verlorenen Zahn auf natürliche Weise ersetzen. Jedoch kann Remineralisation frühzeitige Schmelzerosion teilweise reparieren – mithilfe von Fluorid, Kalzium und Phosphat. Das funktioniert ausschließlich bei oberflächlichen Schäden – es kann weder einen verlorenen Zahn noch einen stark zerstörten Zahn regenerieren.
Können Zähne mit 30 Jahren nachwachsen?
Nein. Das Alter ist nicht der entscheidende Faktor – die Biologie ist es. Der Mensch bildet nach der Jugend keine neuen bleibenden Zähne mehr, unabhängig vom Alter. Mit 30, 40 oder in jedem anderen Erwachsenenalter findet kein natürliches Zahnwachstum statt. Zahnimplantate sind die aktuelle Lösung.
Ist es unbedenklich, einen toten Zahn im Mund zu lassen?
Nein. Ein toter Zahn birgt Bakterien und ein erhöhtes Infektionsrisiko. Unbehandelt kann er zu einem Abszess, Knochenschwund und einer Ausbreitung der Infektion auf benachbarte Zähne und den Kiefer führen. Eine Extraktion oder Wurzelkanalbehandlung sollte nicht aufgeschoben werden.
Welches Land forscht an der Zahnregeneration?
Japan ist weltweit führend in der Zahnregenrationsforschung. Das Team von Dr. Katsu Takahashi am Kitano Hospital in Osaka, unterstützt von Toregem BioPharma, begann die ersten klinischen Humanstudien am Kyoto University Hospital im Oktober 2024.
Wie werden unsere Zähne im Jahr 2045 aussehen?
Bis 2045 könnten regenerierte biologische Zähne für viele Patienten klinisch verfügbar sein. Es ist zu erwarten, dass biotechnologisch gezüchtete Zähne, Stammzelltherapien und medikamentös induzierte Zahnregeneration nebeneinander existieren – und Implantate sowie Zahnprothesen schrittweise ergänzen oder ersetzen werden.
Wie regenerieren die Japaner Zähne?
Durch die Blockierung von USAG-1 – einem Protein, das die Zahnentwicklung bei Erwachsenen unterdrückt. Ihr Wirkstoff TRG-035 nutzt einen neutralisierenden Antikörper, um ruhende Zahnkeime zu reaktivieren. Nach erfolgreichen Versuchen an Mäusen und Frettchen wurden im Oktober 2024 Humanstudien begonnen.